80 Stunden Fußball-Horror im ORF

Visuelle Vergewaltigung bei der Fußball-Analyse im ORF.Dass man das EM-Studio des ORF in Wien im Fernsehen zeigen darf, grenzt an ein Wunder:
Da sitzen zwei (Ex-ÖFB-Teamchef Herbert Prohaska und der Moderator Boris Jirka), unbeholfen in roten Sesselchen und versuchen krampfhaft ein bisschen Fußball-Smalltalk aufrecht zu erhalten.
Das Studio ist virtuell, d.h. die beiden sitzen da mit ihren Anzügen (jeden Tag mit einem anderen!) in einer Bluebox und wissen nicht, wohin mit ihren Händen (gelegentlich hat der Moderator ein ganzes DIN-A4-Blatt mit Notizen in der Hand).
Nach dem Spiel stehen die beiden Spezialisten auf, wandern im virtuellen Studio “zur Analyse” (das ist circa ein Meter neben den netten Sesselchen), zupfen sich die zerknitterten Anzüge zurecht und sprechen dann mit enormem Technikaufwand und wenig Kompetenz über die wichtigen Szenen.
Es existieren wunderbare Sammlungen, die dem Neuling eine guten Eindruck davon geben, was profunde Fußball-Analyse mit Herrn Prohaska bedeutet (”Herr Prohaska hat heute vergessen, sein Mobiltelephon abzudrehen, das Telephon hat während der Sendung geläutet”).
Subtile Einstellungen mit Knie sind nur ein Beispiel für die vielen grandiosen Stilmittel des ORF-Teams. Das ganze wird durch das vorherrschende Gemisch aus weichem Braun und Gelb ergänzt. Einzelne Farb-Akzente sind selbstverständlich durch die roten Sessechen und das farblich subtil dazu dissonante Beistelltischchen gesetzt.
Der farbliche Hochgenuss wird komplettiert, wenn gelegentlich das Blau der Bluebox auf die hellen Anzughosen schwappt oder die Socken so blau sind, dass die Knöchel verschwinden, sobald es die Hose beim Hinsetzen ins Sesselchen etwas hochzieht.
Warum kauft das ORF den Jungs nicht einfach zwei Anzüge, die nicht knittern (und nicht jeden Tag einen neuen!) und ein einfaches Stehpult? Vielleicht werden sie dann etwas lockerer.
